WEIL GOTT ES SO WILL?!
Am Samstag, den 4. Juli, war Sr. Philippa Rath OSB zu Gast im Bischof-Sproll-Haus in Bad Buchau. Die studierte Theologin, Geschichts- und Politikwissenschaftlerin ist Ordensoberin der Benediktinerinnen-Abtei St. Hildegard in Eibingen bei Rüdesheim am Rhein. Bekannt ist die streitbare Ordensfrau vielen Menschen durch ihre Auftritte bzw. Beiträge in Funk und Fernsehen. Als Kennerin und Mitherausgeberin ihrer Schriften war sie als Postulatorin maßgeblich daran beteiligt, dass Hildegard von Bingen im Jahr 2012 von Papst Benedikt XVI. zur Kirchenlehrerin und Heiligen für die Weltkirche erhoben wurde.
Vor etwa 50 Interessierten entfaltete Sr. Philippa Rath an diesem Abend ihre Gedanken und Erfahrungen zum Thema „Frauen in kirchlichen Ämtern“. Der Untertitel „… ein steiniger Weg“ ließ bereits erkennen, was viele in der katholischen Kirche engagierte Frauen tagtäglich erfahren: Auch wenn die Kirche die Gleichwertigkeit von Frauen und Männern anerkennt, gibt es theoretisch wie faktisch keine Gleichberechtigung, oft nicht einmal ein Mitspracherecht. Alle Weiheämter sind nach wie vor Männern vorbehalten, eine Frau kann also nicht Diakonin oder Priesterin werden. Und ob bzw. wieweit eine Frau in der Kirche mitreden oder gar mitbestimmen darf, hängt letztlich immer vom Wohlwollen eines (geweihten) Mannes ab.
Zunächst ließ Sr. Philippa durch Zitate Frauen zu Wort kommen, die sich – trotz aller Widrigkeiten zu einem Leben als Priesterin oder Diakonin berufen fühlen, diese Berufung aber nicht leben dürfen. Die Tatsache, eine Frau zu sein und damit nicht geweiht werden zu können, wirkt als „gläserne Decke“. In dem von Sr. Philippa Rath im Jahr 2022 herausgegebenen Buch „Weil Gott es so will – Frauen erzählen von ihrer Berufung als Diakonin oder Priesterin“ berichten 150 Frauen von ihrem „steinigen Weg“.
Sehr sachlich und zum Teil mit trockenem Humor schilderte Sr. Philippa Rath von der „Wirkungsgeschichte“ dieses Buches, vor allem in Teilen des Klerus (v.a. in der Bischofskonferenz). Sie berichtete außerdem von ihren Erfahrungen als Delegierte beim „Synodalen Weg“ im Forum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“. Als Fazit ihrer Ausführungen bleibt die Einsicht: Der Weg für Frauen zu einem (Weihe-)Amt in der katholischen Kirche ist und bleibt steinig und noch sehr lang. Aber ein paar Steinchen sind inzwischen ins Rollen gekommen. Etwas bewegt sich doch! Mit einem Zitat von Rita Süssmuth, das sicherlich allen (Frauen) Ermutigung sein sollte, schloss Sr. Philippa ihren Vortrag: „Keiner weiß, wenn er kämpft, ob er gewinnt. Aber nichts getan zu haben; das ist für mich nicht zu verantworten.“ (cwl)