St. Peter und Paul in Kappel

Von der Romanik bis in die Moderne

Hochaufragend am Südufer des Federsees thront die Kirche St. Peter und Paul. Sie ist weithin sichtbar und wacht als Vorbotin über Stadt und Stift Buchau. Betritt der Besucher das Kirchenareal, spürt er unwillkürlich, dass er tief in die Geschichte einschreitet. Er begegnet Zeugnissen aus einer fast tausendjährigen Geschichte.

Die Kirche ist bewehrt durch eine mit Schießscharten versehene Mauer. Die heutige Taufkapelle wurde ausgemalt mit hochromanischen Wandfresken, die ein Reichenauer Mönch um das Jahr 1150 hier geschaffen hat. Stilvergleiche haben zu dieser Erkenntnis geführt. Durch die Feuchtigkeit stark in Mitleidenschaft gezogen lassen sie sich dennoch als ältester Freskenzyklus Oberschwabens ausmachen: im Scheitelpunkt der ehemaligen Apsis im Osten der ersten Kirche findet sich ein Christus Pantokrator in einer Mandorla. Diese Darstellung der Majestas-Domini war in ihrer Entstehungszeit eine durchaus politische Aussage mit hohem Anspruch, wo es um die Vorherrschaft von kirchlichen über weltliche Amtsträger ging. Der herrschende Christus ist umgeben von je sechs Aposteln auf jeder Seite, ganz außen auf der rechten Seite König David und auf der linken Seite der Erzengel Gabriel. Die Personengruppen sind nach oben hin durch einen Mäander-, nach unten durch einen Zickzackfries abgeschlossen. Diese Wandfresken waren viele Jahrhunderte verborgen, wurden jedoch 1866 wieder entdeckt an den Seitenwänden des polygon endenden Chorraumes.

Um diese imposante Anlage von Kirche und Friedhof hat sich ein alter Ortskern entwickelt. Für seine Bedeutung muss man sich immer wieder vergegenwärtigen, dass das Kloster und später das Stift Buchau viele Jahrhunderte hindurch als Insel im Federsee existierte. Diese Insel erhielt erst im Laufe der Zeit einen direkten Zugang durch Dämme, die heute noch als Wuhr- und Schussenrieder Straße erkennbar sind. Erst die große Entwässerung des Federsees, die im Jahre 1787 begann, hat die Verhältnisse verändert. Für die Bürger der Stadt gab es auf der Insel keinen Friedhof, sie werden von alters her bis heute auf dem Friedhof bestattet, der zur Kappeler Kirche gehört. Auch der erste Judenfriedhof befand sich in Kappel, bevor er am Südende der Insel Buchau eingerichtet wurde.

Daher war die Kappeler Kirche auch die Pfarrkirche für die Stadtbewohner. Die Stiftskirche war nur für die Gottesdienste und anderen Belange der Stiftsdamen gebaut. Das änderte sich grundsätzlich mit der Säkularisation im Jahr 1803. Nun wurde Kappel zur Filiale der Federseepfarrei.

Im Jahr 1742 wurde an Stelle der romanischen Kirche ein barockes Kirchenschiff erbaut, das 1927 wieder abgerissen werden musste, weil es zu klein war. In diesem Jahr wurde zwischen dem noch erhaltenen romanischen Chor und dem spätmittelalterlichen Turm wieder ein neues Kirchenschiff eingefügt, dessen Chorraum nun im Süden lag. Landeskonservator Wilhelm Friedrich Laur aus Sigmaringen schaffte einen großzügigen neuen mit romanisierenden Bögen versehenen Gottesdienstraum, der durch die alte Apsis im Osten und den Turm im Westen eine harmonische Vierung entstehen ließ. Sieben Jahre später, am 27.06.1935, zerstörte jedoch ein Erdbeben das neue Dach. Die Turmspitze schlug in die Kirche ein. Bei einer umfassenden Renovation 1968 erhielt die Kirche im wesentlichen das Aussehen, das sie heute hat. Josef Henger aus Ravensburg gestaltete Altar, Ambo und Tabernakel. Bei dieser Gelegenheit fand die spätgotische Kreuzigungsgruppe (um 1500) ihre aktuelle Bestimmung an der Altarrückwand, die beiden Kirchenpatrone Petrus und Paulus von Johann Eucharius Hermann vom ehemaligen Hochaltar (1711) ihren Platz vor dem Chorbogen, eine Täuferfigur aus den selben Jahren im rechten vorderen Bereich und das Abendmahlsrelief (um 1515) seinen folgerichtigen Platz am Tabernakel. Die Wandmalereien im hinteren Teil der Kirche zeigen die beiden Buchauer Seligen, Irmengardis, erkennbar an der Gewandung als Äbtissin, und Adelindis, die weltliche Herrscherin und Stifterin, erkennbar an ihrer Trauer-Haltung, zusammen mit den dazugehörigen Männern: dem Urgroßvater von Irmengardis, Karl dem Großen, und mit Ato, dem Mann der Adelindis. Gegenüber finden wir die vier Evangelisten. Weiter vorne sehen wir den in Altshausen geborenen Reichenauer Mönch und Universalgelehrten Hermann den Lahmen, der in seiner „Weltgeschichte“ die „Buchau“ in einer Reihe mit der „Reichenau“ erwähnt. Die Deckengemälde zeigen die Kirchenpatrone Petrus und Paulus in Momenten, in denen sie „am Boden“ zerstört waren, die aber zugleich Anfänge ihrer Bekehrungen sind: Paulus, nachdem er vor Damaskus zu Boden gestürzt war und Petrus, als er über das Wasser gehen wollte und unterzugehen begann.

Diese Malereien stammen von Alfred Vollmar (1893 – 1980) und Josef Nicklas (1893 – 1974).

Rechts des Eingangs zur Taufkapelle finden wir ein Bild mit der Darstellung der Überreichung des Rosenkranzes durch die Gottesmutter Maria an den heiligen Dominikus, der ihn zu Beginn des 13. Jahrhunderts in der Kirche einführte. Links davon eine Darstellung der Kindheit Mariens: Maria zwischen ihren Eltern Joachim und Anna, die sie die heilige Schrift lehren, das Wort Gottes, das sie selber später ganz konkret empfangen sollte.

Bei der Treppe zur Orgelempore erinnert auf einem Sockel eine Herz-Jesu-Figur an das sich verströmende Herz Gottes, auf der anderen Seite des Haupteingangs lädt eine bescheidene ungefasste Holzfigur des heiligen Antonius von Padua den Gläubigen zur hilfreichen Anrufung ein, wo immer es um das Finden oder Wiederfinden von Mensch zu Mensch genauso wie der kleinen Dinge geht. Noch weiter zur Außenseite hin, in der hinteren Verlängerung des Außengangs hat die Gottesmutter von Schönstatt in einer angedeuteten Nische Platz genommen. Ihre Verehrung am Ort hat eine lange Geschichte durch Kapläne wie Benno Wieland.

Alles in allem vermittelt diese Kirche den starken Eindruck lebendiger Kirchengeschichte, durch Zeit und Raum verdichtet – diese Kirche berührt.

Die Kirche St. Peter und Paul in Kappel

Blick nach hinten auf den Eingangsbereich und die Empore