Buchau Wuhrkapelle 2017-09-18T18:30:28+00:00

Wuhrkapelle St. Maria in Bad Buchau

Die barocke Begrüßung am Ortseingang

Nähert sich der Besucher Bad Buchau von Westen durch die Ortschaft Kappel, so wird er vor dem alten Damm auf die ehemalige Insel Buchau von einer Kapelle mit markant barocken Zügen begrüßt. Es lässt sich erahnen, dass diese Kapelle das Tor zur ehemaligen Inselstadt bildete. Ein Vorgängerbau, der erstmals 1505 erwähnt wurde, musste wahrscheinlich erneuert werden. So ließ zu Beginn des 18. Jahrhunderts die Fürstäbtissin des Siftes Buchau, Maria Theresia von Montfort, eine repräsentative Kapelle errichten, deren Anblick die Ankommenden auf das geistliche Herrschaftsgebiet einstimmte.

Der Schussenrieder Klosterbaumeister Michael II. Mohr schuf dieses Barockkirchlein, das am 02. Juli 1729, am Fest der Heimsuchung Mariens, eingeweiht werden konnte (das Datum ist im Inneren an der Unterseite der Empore in Barocklettern festgehalten). Über der Eingangstür sind auf einer puttenkopfumrahmten Steintafel die Worte „Sub tuum praesidium“ als Programm dieser Kapelle gemeißelt: „Unter deinem Schutz“ – der Beginn einer alten Anrufung an die Gottesmutter Maria, der diese Kapelle geweiht ist.

Dem Besucher öffnet sich ein heller und farbintensiv gestalteter sakraler Raum. Der Blick wird zunächst von den drei Deckengemälden gefangen genommen, Bildmedaillons, die Szenen aus dem Marienleben wiedergeben: Der Abschied Mariens von ihren Eltern Joachim und Anna, in der Mitte der Decke die Himmelfahrt Mariens und über dem Altar die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel.

Die filigranen Stuckornamente zeugen davon, dass der Zeitgenosse des Barock die bis dahin vorherrschende schwere und bisweilen überschwängliche Ausdrucksform hinter sich lassen wollte zugunsten einer gewissen Leichtigkeit. Ionisierende Pilaster gliedern die Wände und auch die bemalte Decke. Der Chorraum ist der nachkonziliaren Ordnung angepasst worden. Im Scheitelpunkt der Apsis im dreikonchenartigen Ostchor steht auf einer Säule eine spätgotische Madonna aus der Ulmer Schule. Sie diente Jahrhunderte lang zur Verehrung als Gnadenbild, das als Ziel von Wallfahrten oder Prozessionen aufgesucht wurde.

Den Altar und das Stehkreuz fertigte Josef Henselmann (1898 – 1987), ein Münchner Bildhauer aus der hiesigen Region (Laiz).

Interessant sind die sieben Holztafeln, die die Brüstung der Empore zieren. Sie meditieren das Gebet „Salve Regina“ in Bild und Text, das noch vor dem „Gegrüßet seist du, Maria“ in der ganzen Römisch-katholischen Kirche zum Allgemeingut geworden ist. Der Universalgelehrte Hermann der Lahme, Mönch des Klosters Reichenau im 11. Jahrhundert, gilt als sein Verfasser.

Ein bedenkenswertes Detail bildet die Mondsichel zu Füßen des Kreuzes auf der Turmspitze. Ob es sich dabei um eine Analogie zu der im Buch der Offenbarung geschilderten Vision der apokalyptischen Frau mit dem Mond zu ihren Füßen (Offb 12,1) handelt oder ob es gar eine Aussage über den Islam darstellt, wird dem Vorbeigehenden zur weiteren Betrachtung mitgegeben.

Die Wuhrkapelle zwischen Bad Buchau und Kappel

Kunstvoll bemalte Emporenbrüstung über dem Eingang