Ruhe-Christi-Kapelle in Bad Buchau

Erhalten durch großes Engagement der Bürger

An der Straße von Bad Buchau nach Riedlingen steht zwischen Kappel und dem Vollochhof  die Jahrhunderte alte Ruhe-Christi-Kapelle, einst eine viel besuchte Wallfahrtsstätte für die nähere und weitere Umgebung.

Mit Blick auf die Vergangenheit stoßen wir erstmals im 16. Jahrhundert urkundlich auf einen Vorgänger der Kapelle in Form des seinerzeit bereits erwähnten Vollocher Bildstöckleins. Wobei  offen bleiben muss, ob sich diese auch tatsächlich an dieser Stelle befand. Dem entgegen steht die uralte Volkssage über die Entstehung dieses Bildstöckleins.

Demnach hatte einst ein Bauer aus Kappel, der am Abend auf dem Heimweg von Saulgau war, sich hoffnungslos verirrt. Da die Nacht sehr finster war, fand er sich nicht mehr zurecht und kam immer wieder auf den Federsee zu. In welche Richtung er auch ging, er drehte sich im Kreise. Nach vielen vergeblichen Versuchen, den richtigen Weg zu finden, legte er sich ermattet nieder und schlief ein. Dabei träumte ihm, unter seinem Schlafplatz sei ein Christusbild in der Erde vergraben. Als er am Morgen von den ersten Sonnenstrahlen geweckt wurde, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass er die Nacht auf seinem eigenen Acker verbracht hatte. Auf dem Nachhauseweg fiel ihm sein Traum wieder ein. Er holte sich einen Spaten und eilte wieder hinaus auf seinen Acker. Dort fand er dann auch tatsächlich in drei Fuß Tiefe die erträumte Skulptur. Danach ließ er zur Erinnerung auf dem Fundplatz einen Bildstock setzen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde dann das kleine Bildstöcklein immer weiter zu einer kleinen Kapelle ausgebaut. Bis zum Jahre 1864 konnte die kleine Kapelle bis zu acht Pilgern einen überdachten, trockenen Platz bieten.

Im Zuge der Säkularisation im Jahre 1803 wechselte der Besitz vom Stift Buchau zum Hause Thurn & Taxis nach Regensburg.

1861 konnten 57 Bürger aus Kappel die Kapelle für 100 Gulden von Thurn & Taxis erwerben. Zu dieser Zeit setzte ein großer Zustrom von Pilgern ein, die dort für Mensch und Tier Trost und Hilfe suchten. Es kamen Wallfahrer aus dem ganzen Oberland. Diesem Ansturm an Pilgern war diese kleine Kapelle nicht mehr gewachsen.

Nach dem die Kapelle nun in den Besitz einer Bürgerinitiative übergegangen war, wurde ein Erweiterungsbau im damaligen Baustil ins Auge gefasst. Die Fertigstellung erfolgte im Oktober 1864. Der Innenraum enthielt als Ausstattung die Hauptfigur im Kerker, „Christus in der Ruhe“, ferner ein Abendmahl-Relief, das sich heute in der Peter- und Paulkirche Kappel am rechten Seitenaltar befindet, den Hl. Rochus und eine Stand-Madonna an den Seitenaltären, eine Pieta und ein Kreuz mit Kreuzweg-Bildern. Die Kapelle wurde schon von Alters her als sogenanntes „Eißen, Rufen und Besenkäppele“ bezeichnet.

Im Jahr 1900 bekam die Kapelle einen  Turm mit einer Glocke. Leider wurde diese 1942 vom Staat konfisziert und eingeschmolzen. Erst elf Jahre später erhielt sie eine 45 kg schwere Nachfolgerin mit der Inschrift „Der Herr macht die Gefangenen frei“ und erinnert an das Schicksal des Stifters der Glocke, der diese zum Dank für glückliche Heimkehr aus dem 2. Weltkrieg versprochen hatte.

In den Jahren 1935 und 1953 wurden immer wieder dringend notwendige Reparaturen durchgeführt.

Da weder von den ursprünglichen Besitzern, der Kirchengemeinde, noch von der bürgerlichen Gemeinde Interesse am Erhalt der Kapelle vorhanden war und somit der Zerfall drohte, musste die Kapelle 1972 endgültig geschlossen werden.

Aus dieser Notsituation heraus gründeten am 15. Mai 1987 umsichtige Bürger aus Bad Buchau und Kappel zur Rettung der Kapelle den „Verein Ruhe-Christi-Kapelle 1864 e. V. Bad Buchau-Kappel“.

Darauf hin wurde von 1988 bis 1989  eine große grundlegende Renovierung durchgeführt. Dank 400 Stiftern und Spendern sowie 71 ehrenamtlichen Bauhelfern mit  über 3000 Arbeitsstunden konnte das gelungene Werk vollendet werden. Die feierliche Einweihung der Kapelle fand am 29. Juli 1989 durch Pfarrer Anton Scheffold statt. Seither findet wieder jährlich ein Bittgottesdienst statt.

Die Kapelle ist ganzjährig zugänglich. 25 Familien aus den Gemeinden Bad Buchau und Kappel übernehmen den täglichen Schließdienst, die saisonale Ausschmückung und den jährlichen Großputz.

1995 übernahm der Verein auch das abbruchreife Bruckhofkäppele von Thurn & Taxis. Nach dem Abriss wurde das neugebaute Käppele am 1. September 1996 von Dekan Josef Gerz feierlich eingeweiht. Die Pflege und Aufsicht übernahm dankenswerter Weise die Familie Kurt und Anneliese Irmler vom Bruckhof.

Der Verein kümmert sich auch um die Erhaltung von Feldkreuzen. Von 17 Feldkreuzen auf den Gemarkungen Bad Buchau und Kappel wurde für acht die Patenschaft übernommen.

Dank großzügiger Spenden und ehrenamtlicher Bauhelfer wurden in den letzten Jahren ein barrierefreier Zugang zur Ruhe-Christi-Kapelle sowie die Außen- und Innenrenovierung in Angriff genommen. Die wunderschöne Kapelle steht nun im vollen Glanz vor den Toren von Kappel.

Der Verein zählt aktuell 168 Mitglieder. Die Verantwortlichen und die Mitglieder des Vereins Ruhe-Christi-Kapelle haben sich in diesen über 25 Jahren mit Herzblut für die Pflege und Erhalt dieser christlichen Kleinkulturdenkmale eingesetzt, damit diese der nächsten Generation geordnet übergeben werden können.

(Robert Rief, Vorsitzender des Vereins Ruhe-Christi-Kapelle)

Die Ruhe-Christi-Kapelle am Ortsausgang von Kappel Richtung Kanzach

Die Pietà aus dem 19. Jahrhundert über dem Chorbogen